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Die US-Autorin Tess Gerritsen gehört zweifellos zu den gefragtesten Autorinnen unserer Zeit. Ihre Romane um die Rechtsmedizinerin Maura Isles und Detective Jane Rizzoli haben längst „Kultstatus“ und wurden nun auch für das Fernsehen entdeckt- seit wenigen Wochen haben auch TV Zuschauer in Deutschland die Möglichkeit „Rizzoli & Isles“ zu sehen. Endlich ist ihr neuer Roman „Grabesstille“ in Deutschland erhältlich. Warum dies einer ihrer persönlichsten Romane ist und was Gerritsen von der TV Version ihrer Charaktere hält hat sie kultur-base.de exklusiv in einem Interview verraten.
kultur-base.de: Frau Gerritsen, was ist das Besondere an Ihrem neuen Roman „Grabesstille“?
Tess Gerritsen: Das Besondere an diesem Buch ist, dass keines meiner Bücher mehr von mir persönlich enthält als dieses. Es handelt von chinesischen Charakteren, die in den USA aufgewachsen sind. Und es behandelt chinesische Märchen, die ich aus meiner Kindheit kenne, welche meine Mutter immer erzählte. Sie müssen wissen meine Mutter ist Chinesin.
kultur-base.de: Wie wichtig sind diese chinesischen Geschichten für Sie?
Tess Gerritsen: Diese Geschichten sind sehr wichtig für mich. Auf eine gewisse Art und Weise bringen sie mir meine Mutter zurück. Sie hatte ein ganz besonders ausgeprägtes spirituelles Leben. Sie glaubte fest an Geister, die sie umgaben. Sie sah während ihrer Kindheit Geister in China, als sie dort aufwuchs. Aber nicht nur sie, sondern auch ihre Freunde konnten sie sehen. Sie glaubte daran, dass wenn Menschen sterben, diese in eine spirituelle Geisterwelt übergehen und die Lebenden sie manchmal sehen können. Diese und viele andere Geschichten sind dadurch auch ein Teil meiner Kindheit geworden.
kultur-base.de: Mittlerweile läuft im deutschen Fernsehen die TV-Serie „Rizzoli & Isles“- mögen Sie die Serie?
Tess Gerritsen: Ich finde die Serie sehr unterhaltsam. Sie ist sexy und charmant. Aber es gibt auch düstere Momente darin. Ich habe es akzeptiert, dass es nicht mehr meine ursprünglichen Charaktere sind, die ich entwickelt habe. Es ist eine gewisse Abwandlung. Ein Beispiel, Jane habe ich als absolute Durschnittsfrau entworfen, sie ist eben eine ganz gewöhnliche, hart arbeitende Frau in meinen Büchern. Und ich glaube, dass es das ist was meine Leser so an ihr mögen und eine Identifikation mit ihr möglich macht. Und in der TV-Serie ist sie anders, nicht mehr so gewöhnlich. Aber es ist absolut Ok für mich, so funktioniert Hollywood.
kultur-base.de: Finden Sie, dass Sasha Alexander eine gute Maura und Angie Harmon eine gute Jane ist?
Tess Gerritsen: Sie sind anders als in meinen Büchern. Maura ist eine düstere Persönlichkeit in den Romanen. Die Serie lässt sich nicht wirklich mit meinen Romanen vergleichen. Daher muss man es auf eine andere Weise betrachten. Eine andere Jane und Maura.
kultur-base.de: Warum geben Sie Maura und dem Priester Daniel keine Chance für ihre Liebe?
Tess Gerritsen: (lacht) Weil es einfach nicht funktioniert. Durch ihre Verbindung laden sie eine Form der Schuld auf sich. Hinzu kommt, dass es ihnen nicht erlaubt ist eine Beziehung miteinander zu haben, was die Situation für beide noch reizbarer macht. Das was du nicht haben kannst, möchtest du umso mehr haben. Was die Chance angeht kann ich nur soviel sagen, Daniel ist nicht tot. Und da beide für die Bostoner Polizei arbeiten, entstehen immer wieder Situationen, in denen sie sich treffen. Und das werden sie auch. Ich sage dazu nur, lasst euch überraschen.
kultur-base.de: Zur Zeit sind Sie auf Lesereise in Deutschland. Was mögen Sie hier besonders?
Tess Gerritsen: Es ist sehr komfortabel für Amerikaner hier in Deutschland. Fast jeder versteht und spricht englisch und das erleichtert es einem sehr sich hier wohlzufühlen. Ich liebe deutsches Bier und Würstchen. Und die deutschen Fans sind einfach nur wunderbar, ich liebe sie.
kultur-base.de: Welches Buch liegt zur Zeit auf ihrem Nachttisch?
Tess Gerritsen: Oh, ich weiß es gar nicht. Ich habe eine Menge Bücher für eine kurze Rezension bekommen, die ich lesen muss. Aber ich bin ehrlich, ich habe keine Ahnung was dort gerade liegt.
kultur-base.de: Welches von Ihren Büchern ist das Lieblingsbuch ihres Ehemanns?
Tess Gerritsen: „In der Schwebe“. Die meisten Männer mögen es am liebsten, es ist ein Science Fiction Thriller.
kultur-base.de: Und zu guter Letzt. Verraten Sie uns doch ein Geheimnis von Jane und Maura, was kein Mensch weiß.
Tess Gerritsen: Das ist die härteste Interviewfrage die ich je gestellt bekommen habe. Gratulation dazu (lacht und überlegt). Jane hat sicher mal einen Klassenkameraden in der Schule verprügelt. Und zu Maura, eigentlich ist es kein Geheimnis, aber sie wäre kein guter Doktor, der mit Menschen arbeitet. Sie würde die Patienten nicht verstehen, daher arbeitet sie lieber nur mit den Körpern, die ihr ihre Fragen beantworten.
kultur-base.de: Vielen dank für dieses wirklich sympathische Interview.

Das Interview mit Tess Gerritsen führte Daniel Raifura
Tess Gerritsen Grabesstille ISBN: 978-380-902-577-1 Verlag: Limes Verlag |