Start Interviews Interviews Autor Marc Raabe im Gespräch - "Ich habe gewissermaßen mit jedem meiner Charaktere etwas gemeinsam. Beim Schreiben muss alles raus, was sonst nie raus darf."
Autor Marc Raabe im Gespräch - "Ich habe gewissermaßen mit jedem meiner Charaktere etwas gemeinsam. Beim Schreiben muss alles raus, was sonst nie raus darf."
Geschrieben von: Carina Greiffenberg   
Freitag, den 15. Juni 2012 um 21:56 Uhr

Sein Thriller Debüt "Schnitt" ist soeben auf der Spiegel Bestseller Liste eingestiegen. Wohl verdient und für uns ein weiterer guter Grund dem Autor Marc Raabe ein paar Fragen zu stellen...

kultur-base.de: „Schnitt“ ist Ihr erster Thriller. Wie entstand die Idee hierzu?

Marc Raabe: Mich haben schon immer Geschichten fasziniert, die in der Kindheit beginnen. In diesem Alter werden so viele Weichen gestellt. Man biegt nach links, rechts oder wohin auch immer ab. Und jedes Abbiegen hat eine Konsequenz im Erwachsenenalter.
Ich hatte irgendwann dieses Bild vor Augen, von einem Jungen, der an der Schwelle zu einem dunklen verbotenen Keller steht. Und dieser Junge, Gabriel, biegt ab – nach unten. Und das hat fürchterliche Konsequenzen für ihn.

kultur-base.de: Eigentlich haben Sie beruflich ja eher mit der Film-und Fernsehbranche zu tun. Wieso wollten Sie ein Buch schreiben und nicht etwa ein Drehbuch für einen Krimi?

Marc Raabe: Ich habe tatsächlich zunächst zwei Exposés bei einem Fernsehsender vorgestellt. Die Ideen kamen sehr gut an, so dass wir über die Entwicklung der Drehbücher sprachen. Im Verlauf der Story-Entwicklung hatte der Sender allerdings so viele Wünsche und Änderungen, dass ich irgendwann gefragt habe: „Wenn jetzt alles anders sein soll, was bleibt denn dann noch von der Grundidee übrig, die Euch so gefallen hat?“
Ich bin dann rasch ausgestiegen und habe mich entschlossen, ein Buch zu schreiben. Als Buchautor habe ich wirklich alle Freiheiten. Drehbuch schreiben bringt für mich zu viele Einschränkungen mit sich – und zu viele Köche, die im Brei rühren.

kultur-base.de: Was hat es mit der Star Wars Sache auf sich? Ihr Protagonist Gabriel scheint hierzu eine besondere Bindung zu haben.  Sind Sie selbst ein Fan?

Marc Raabe: Ich fand die Star-Wars Filme immer toll. Trotzdem war ich nie Fan. Allerdings bin ich ein Fan von großen Gut-gegen-Böse Geschichten, und da gehören auch Star Wars, Harry Potter oder Der Herr der Ringe dazu. Am allerbesten finde ich es, wenn dabei die Grenzen verwischen und die Protagonisten mit ihrer inneren Zerrissenheit kämpfen. Auch das Gute ist anfällig für das Böse. Und umgekehrt.

kultur-base.de: Mit welchem Ihrer Charaktere können Sie sich identifizieren? Haben Sie etwas mit Gabriel gemeinsam?

Marc Raabe: Ich habe gewissermaßen mit jedem meiner Charaktere etwas gemeinsam. Beim Schreiben muss alles raus, was sonst nie raus darf. Ich muss sozusagen das Über-ich draußen vor der Tür lassen und mal ausprobieren, wie es sich anfühlt, so oder so zu sein.


kultur-base.de: Welches ist für Sie die beste Tageszeit, um solch eine düstere Geschichte zu schreiben?

Marc Raabe: Die Nacht ist am besten zum Eintauchen. Tagsüber ist dagegen manchmal die Konzentration besser. Die Nacht lässt natürlich immer viel Platz für dunkle Phantasien und ist eine Steilvorlage für Thriller-Atmosphäre.


kultur-base.de: Und an welchem Ort schreiben Sie? Zuhause am Schreibtisch oder vielleicht in einem Cafe?


Marc Raabe: Das ist ganz verschieden. Im Prinzip kann ich fast überall schreiben. Aber das Finale von Schnitt habe ich unter wirklich kuriosen Bedingungen geschrieben: Nachts, in einem Hotel in Garmisch-Partenkirchen. Es war nach 22:00 Uhr und ich wollte meine Frau nicht stören. Also bin ich nach unten gegangen, in einen Internetraum. Das war so eine Art fensterloser Glaskasten in der Nähe der Hotel-Bar. Ich saß da und schrieb, und dann kamen etwa 70-80 Gäste und feierten rund um den Glaskasten eine brüllend laute Party. Immer wieder ging die Tür auf und angetrunkene Leute platzten rein. Aber ich war selbst wie im Rausch und habe einfach weiter geschrieben, bis 4:00 Uhr morgens.


kultur-base.de: Haben Sie einen Lieblingsautor, der Ihre Arbeit vielleicht sogar beeinflusst oder inspiriert?

Marc Raabe: Letztlich haben mich viele tolle Autoren inspiriert. Jo Nesbo mit seinen starken Charakteren, John Hart mit seiner bildhaften Sprache, Zoran Drenkvar mit seiner Eindringlichkeit, Michael Robotham mit seiner Fähigkeit, selbst Kleinigkeiten großartig zu erzählen, Sebastian Fitzek mit seinen ausgefallenen Ideen …  


kultur-base.de: Haben Sie ein Lieblingsbuch und welches Buch lesen Sie aktuell?


Marc Raabe: Es gibt zu viele Bücher, um ein Lieblingsbuch zu haben. Auf meinem Nachttisch liegen zur Zeit John Hart, „Das letzte Kind“, Fred Vargas, „Die Nacht des Zorns“ und Chris Carter, „Der Knochenbrecher“.

kultur-base.de: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Autorenwebsite: www.marcraabe.de

Foto: ullsteinbuchverlage.de

 

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