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| Andreas Eschbach im Gespräch mit kultur-base.de |
| Geschrieben von: Daniel Raifura |
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kultur-base.de: Herr Eschbach, wie sind Sie zum Schreiben gekommen? Andreas Eschbach: Schon als Kind; ich erinnere mich nicht an ein „erstes Mal“. Mein Vater war Werbegrafiker, deswegen waren Papier und Stifte aller Art bei uns zu Hause immer einfach da, in Massen. Ich glaube, als ich mir das erste Mal Papier gekauft habe, war ich schon zwanzig... Ein weiterer Schritt, an den ich mich erinnere, war die Entdeckung der Schreibmaschine. Da war ich zwölf Jahre alt. Um die erste Seite vollzuschreiben, habe ich einen ganzen Nachmittag gebraucht – die Tasten waren immer nicht dort, wo ich sie vermutete... Das waren Nonsense-Texte, einfach um des Vergnügens willen, Buchstaben aneinander zu reihen. Aber danach habe ich relativ schnell angefangen, wieder Geschichten zu schreiben. Auf einer Schreibmaschine geschrieben sah so ein Text – für damalige Ansprüche an Druckqualität jedenfalls – gleich beinahe gedruckt aus; das gefiel mir. kultur-base.de: Ihr zuletzt erscheinender Roman „Ein König für Deutschland“ handelt von Wahlbetrug. Was war der Auslöser für Sie diese Thematik zu verarbeiten? Andreas Eschbach: Nun, eigentlich geht es nicht um Wahlbetrug, es geht um das unangebrachte Vertrauen, das man in Wahlcomputer setzt. Und Auslöser war letzten Endes das Erlebnis, bei einer Wahl – das war noch in Stuttgart – plötzlich unangekündigt vor so einer Kiste zu stehen und Knöpfe drücken zu sollen anstatt Kreuze auf Zettel zu machen. Und die Erinnerung an das unbehagliche Gefühl, als auf meinen Knopfdruck hin irgendwas in dem Gerät vor sich hin ratterte und ich mich fragte: „Aha? Was ist das jetzt? Wird jetzt protokolliert, was ich gewählt habe?“ Ich habe ja lange als Programmierer gearbeitet; mir sind auf Anhieb Dutzende Möglichkeiten eingefallen, wie man mit solchen Maschinen Schindluder treiben kann. Für mich war sonnenklar, dass diese Geräte dem Wahlbetrug ganz neue Dimensionen öffnen – eine Überzeugung, die ich mit den meisten Leuten teile, die was von Computern verstehen. kultur-base.de: Der Roman wird von unzähligen Fußnoten begleitet. Wie umfangreich waren Ihre Recherchearbeiten? Andreas Eschbach: Das ist ein Thema, da kommen Sie an einem Nachmittag im Internet weit. Ich musste mich, was das angeht, eher einschränken. Zudem ist das eine hübsche formale Metapher für das, worum es bei Wahlen geht: Um die Möglichkeit, nachzuprüfen. Das verstehen leider die wenigsten Menschen, und leider auch die wenigsten Politiker. kultur-base.de: Hatten Sie im Vorfeld Sorge, dass gerade so ein brisantes Thema mit der Verknüpfung zur Bush-Wahl auf Widerstand stoßen würde? Andreas Eschbach: Nein. Ich weiß nicht, wie's Ihnen geht, aber ich lese gern Brisantes. kultur-base.de: Ihre Romane können nun wahrlich nicht als „null-acht-fünfzehn“-Romane beschrieben werden – was ist das Besondere an Ihren Romanen? Andreas Eschbach: Das kann ich Ihnen beim besten Willen nicht sagen. Darüber mache ich mir keine Gedanken, und ich glaube auch, dass es nicht gut ist, sich als Autor über so etwas allzu viel Gedanken zu machen. Ja, natürlich versuche ich, Romane zu schreiben, die etwas Besonderes sind. Wer tut das nicht? Aber ich habe kein Geheimrezept in der Schublade, falls Sie das vermuten; keine kultur-base.de: Kam Kritik von Seiten der Kirche zu Ihrem Roman „Das Jesus Video“? Andreas Eschbach: Nein. Im Gegenteil, eine Menge Pfarrer haben mir begeistert geschrieben. Allerdings nur evangelische... kultur-base.de: Ihr Erfolgsroman "Das Jesus-Video" wurde fürs Fernsehen verfilmt. Waren Sie mit dem Film zufrieden? Andreas Eschbach: Nun, bei aller anerkennenswerten Mühe, die in dem Film steckt – und wenn man weiß, dass das Budget dafür nicht einmal halb so groß war wie für einen normalen „Tatort“, dann hat da jemand in der Produktion geradezu Wunder bewirkt –, es war niemand mit dem Film zufrieden, der das Buch kennt. Und ich kenne es nun ziemlich gut. Der Film hat seine spannenden Momente, gewiss, aber man kann beim besten Willen nicht behaupten, dass er den Geist des Romans eingefangen hätte. kultur-base.de: Wie wichtig ist Ihnen der Kontakt zu Ihren Lesern? Andreas Eschbach: Das ist für mich elementar, und ich vermute, das wird allen Schriftstellern so gehen. Zu wissen, dass das, was man schreibt, auch gelesen wird, ist nicht nur motivierend, es ist gewissermaßen die Vollendung des künstlerischen Schaffens. Denn wie alle Kunst ist auch Schreiben Kommunikation, und Kommunikation bedarf des Empfängers. kultur-base.de: Dieses Jahr 2010 ist Essen die Kulturhauptstadt stellvertretend für das Ruhrgebiet. Werden Sie ins Ruhrgebiet kommen, um aus Ihren Büchern zu lesen? Andreas Eschbach: Vermutlich nicht. Tatsächlich erhalte ich sehr viele Anfragen, ob ich nicht aus diesem oder jenem Anlass – und meistens sind es durchaus respektable Anlässe – hier oder da lesen könne, aber in der Regel geht es nicht. Würde ich allen Wünschen nachkommen, käme ich nicht mehr zum Schreiben, schlicht und einfach. kultur-base.de: Lesen Sie privat auch Krimis und Thriller? Andreas Eschbach: Natürlich. Thriller vor allem. Krimis eher selten. kultur-base.de: Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen? Andreas Eschbach: Keinen Thriller, sondern den wunderschönen Roman „Der Fliegenfänger“ von Willy Russel. kultur-base.de: Was war für Sie das Buch des Jahres 2009? Andreas Eschbach: Da schwanke ich noch. Die Millenium-Trilogie von Stieg Larsson hat mich sehr beeindruckt – die spannendste Lektüre seit sehr langer Zeit –, hinterläßt aber ob der ausufernden Gewalt darin ein etwas schales Gefühl. „Aqua“ von Jean-Marc Ligny war ein ungewöhnliches Leseerlebnis... Aber letzten Endes würde ich doch den Roman „Casanovas späte Liebe“ von Klaus Seehafer auf Platz 1 setzen. Er schildert den fünfzigsten Geburtstag Giacomo Casanovas, dessen Memoiren ich in jungen Jahren gelesen habe – ursprünglich ihres verruchten Rufes wegen natürlich, aber dann vor allem wegen der lebendigen Darstellung der damaligen Zeit; die erotischen Episoden wirken heute eher zahm. Seehafer gelingt es wunderbar, den Sprachduktus Casanovas zu treffen und mit wenigen Pinselstrichen ein realistisches Porträt dieses interessanten Mannes zu zeichnen. Und ich habe dieses Buch zu meinem eigenen fünfzigsten Geburtstag geschenkt bekommen und gelesen; das war ein anrührendes Zusammentreffen. kultur-base.de: Können Sie sich noch an das erste Buch erinnern, das Sie gelesen haben? Andreas Eschbach: Nein. Bücher waren irgendwie schon immer um mich herum. Ein Leben ohne Bücher ist für mich unvorstellbar. kultur-base.de: Würden Sie uns schon verraten, um was es in Ihrem nächsten Buch geht? Andreas Eschbach: Das mache ich grundsätzlich nicht. kultur-base.de: Beschreiben Sie sich bitte selbst mit nur 3 Wörtern. Andreas Eschbach: „Immer am Schreiben.“ kultur-base.de: Vielen Dank, für dieses Interview
Daniel Raifura sprach mit Andreas Eschbach
Unser Tipp: Der zuletzt erschiene Roman von Andreas Eschbach „Ein König für Deutschland“
Andreas Eschbach ISBN: 978-3785723746 gebundene Ausgabe €19,99 Quelle/ Verlag: Lübbe Verlag Link: www.luebbe.de |


Seine Romane sind aus den Buchläden nicht wegzudenken. Seine Romane sind kritisch, spannend, unterhaltsam und absolut fantastisch geschrieben. Andreas Eschbach gehört zu den Top-Stars des deutschen Thrillers. Seine Romane verkaufen sich wie „geschnitten Brot“. Daniel Raifura hatte die Gelegenheit mit Andreas Eschbach zu sprechen, über seine Arbeit als Schriftsteller über viel persönliches und noch vieles mehr.



